Generation Y – eine Generation die keine ist.

In der Zeit und in der Tageswoche.ch wurde sich neulich mit der “Generation Y”, auch genannt “Die Immer-und-alles-Generation” oder “Generation Slash”, auseinandergesetzt. Das sind zwei Artikel, in denen “meine” Generation (in der “allgemeinen Meinung” scheinbar zusammengesetzt aus den 1980 bis 1995 geborenen) wenigstens nicht als unfähig und faul und ineffizient verschrien ist, als eine, die sich nicht binden will. Im Gegenteil, sie wird bejubelt, es werden Dinge geschrieben, die im Endeffekt zusammengefasst bedeuten: wir sind eure Zukunft, weil wir uns nicht mehr den starren Formen der 9-to-5 Jobs aussetzen, weil wir sowohl Karriere als auch Familie wollen (und Zeit dafür für alle) und wir finden es toll, dass die Grenzen zwischen Job und Privatleben verschwimmen.

Es werden Beispiele angeführt, von Menschen, die in den verschiedensten Bereichen arbeiten: Musiktherapeut*in/Designer*in/Bandmitglied wäre eine weitere Option oder Filmemacher*in/Journalist*in/Historiker*in oder Comiczeichner*in/Heilpraktiker*in/… was auch immer. Es ist auch egal. Der Punkt, der mich in den beiden genannten Artikeln stört, ist der, dass es als freiwilliges Sein beschrieben wird. Es sei ein Wunsch, viele Jobs zu machen, zu arbeiten, als was man in dem Moment möchte. Es sei ein Wunsch, die Arbeitszeit verfließen zu lassen, es sei so gut für die Selbstverwirklichung.

Für viele Menschen mag das zutreffen, ich gehöre selbst dazu (wobei, und das ist vielleicht nicht ganz unwesentlich: ich mich in diesem Leben nur ohne Kind sehe und ohne Mensch, der Fürsorge braucht, sobald es diesen Menschen gibt, glaube ich nicht mehr an diese Form des Lebens), aber nicht für alle.

Warum sind gerade so viele Menschen in der weit-umfassten-Kreativbranche zugehörig zur Generation Y? Vielleicht eher, weil es keine Jobs gibt, oder nur wenige, vielleicht, weil die Kund*innen nicht mehr so viel zahlen möchten, weil Amateur*innen die Aufträge wegschnappen (weil sie weniger Geld wollen), weil jede*r denkt, das geht auch selbst und weil, ja weil es zu viele Menschen gibt, die in diesen Berufen arbeiten wollen. Am liebsten was-alternatives oder was-mit-Medien. Du kannst nicht mehr nur Editor*in im Film sein, wenn du nur coole Aufträge haben willst und nicht “Frauentausch” schneiden möchtest. Zumindest nicht, wenn du davon leben willst. Also sind viele noch was anderes, machen etwas, worin sie gut sind, etwas, das ein regelmäßiges Gehalt einfährt. Und am Abend reden wir mit unseren Freund*innen darüber, wie toll es doch ist, so frei zu sein, und wie schade für alle, die das nicht sind. Aber solange wir in einer kapitalistischen Welt leben, in der Geld DER Gradmesser für quasi alles ist, in der Leistungen und Nahrungsmittel und Wohnraum immer teurer werden, in der wir Telefone für 600 Euro haben müssen und Apple Notebooks, die nicht viel können, aber viel kosten, solange sind wir nicht frei. Solange können wir uns einreden, wie toll es doch ist, aber ehrlichgesagt haben wir eine scheiß Angst vor dem Tag, an dem das nächste Projekt nicht mehr kommt. Klar, wir wollen uns nicht unterordnen unter eine Stechuhr, aber im Grunde sind viele von uns kleine Egoist*innen im Kapitalistischen Betrieb. Nicht alles, aber viele.

Watch your Privilege!

In dem Zeit Artikel wird die Tatsache, dass es ein Privileg ist, so leben zu können und eine entsprechende Bildung zu haben, kurz angesprochen. Das ist gut! Das ist immerhin viel mehr, als die meisten Artikel und Poetry-Slamer*innen (hust) schaffen.

Um ein Leben zwischen drei hippen Jobs leben zu können, musst du privilegiert sein. Denn in dem Artikel geht es nicht um eine*n Kassierer*in, die vor oder nach der Arbeit noch Zeitungen austrägt oder um eine*n Ethnolog*in, die um ihr Leben zu finanzieren (ohne Apple) im Call-center arbeitet oder um die_den Friseurmeister*in, Klemptner*in, Krankenschwester_pfleger und so weiter, deren Einkommen nicht reicht um die Kinder durchzubringen und die deswegen noch einen weiteren, meist ebenso schlecht-bezahlten Job annehmen müssen.

Warum zur Hölle, leben wir in einer Welt, in der quasi alle Jobs, die Ausdruck von Menschlichkeit sind, alle Jobs, die wir wirklich brauchen um diese Gesellschaft am Leben zu halten (Hebammen anyone?) nicht geehrt, sondern verachtet, nicht gefeiert, sondern in 1-Jahres-Veträgen so schlecht bezahlt werden und in denen die Menschen regelmäßig zusammenbrechen, weil sie nicht mehr können.

Die Privilegiertheit geht so viel weiter, über Bildung heraus, sie ist eine Frage des Wohnortes, allein in Europa leben so viele junge Menschen, die genau dieser Generation angehören, in Armut, wie nie zuvor. Sie haben keine Jobs, wir reden von Arbeitslosigkeitsraten bei jungen Menschen von über 50 %, aber “hier” ist Unsicherheit ja hip und cool. Unsicherheit muss man sich leisten können. Mut ist kein “Anagramm von Glück” (Zitat: Julia Engelmann “One Day / Reckoning”), sondern etwas, dass man sich leisten können muss. In dieser Vorstellung, um diesem Ideal folgen zu können, musst du gesund sein, du musst dir den Mut von irgendwo ziehen können, du musst die Unsicherheit aushalten können (was nicht immer mit “Stärke” whateverthatis zusammenhängt) du musst unabhängig sein können, soll heißen es darf eigentlich niemanden geben, für die_den zu verantwortlich sein könntest. Du musst kreativ sein, auch ein Privileg. Rassismus spielt dabei auch eine große Rolle.

Aber das ist ja alles egal. Ihr (™) seid die Zukunft. Und dabei noch so nett, allen Menschen die nicht privilegiert sind, zu helfen irgendwann auch mal so leben zu können. Ihr wolltet nicht so werden wie eure Groß-/Eltern, aber im Grunde seit ihr viel schlimmer. Und arrogant bis unter die Hutnaht, weil diese Texte eigentlich allen, die nicht so leben, einen Vorwurf machen. Pfui.

“Es gibt kein richtiges Leben im falschen.”

Neid & Wut und all diese Gefühle die nicht sein sollen

Es gibt Menschen, bei denen viele andere immer wieder versucht sind, sie zu beneiden. Aus verschiedenen Gründen, wegen etwas, was sie können, dürfen, sind, machen, werden. Aber meist wegen eines Bildes, dass sich von diesen Menschen gemacht wird. Da hilft aber leider kein “Ach, sie_er kocht auch nur mit Wasser.”, sondern eigentlich die aktive Auseinandersetzung, mit den eigenen Gefühlen und den, vielleicht bestehenden, Gefühlen der anderen Person. Vor allem, wenn wir von Neid & Wut in Freund_innenschaften ausgehen.

Neid ist ein schlechtes Gefühl, dass wird uns schon früh beigebracht und Wut ist auch nicht besonders erstrebend wert, besonders nicht als Frau (es gibt dazu einen tollen Blogeintrag über wütende Frauen, den ich gerade nicht finde).

Neid ist vor allem der Ausdruck eines Wunsches und einer Unzufriedenheit. Die entsteht nicht unbedingt durch die andere Person, sondern befindet sich manchmal schon in einer_m selbst drin und wird nur beleuchtet. Ich zum Beispiel bin momentan neidisch & wütend. Eher wütend. Aber das ist uncool. Ich sollte es nicht sein, denn es geht um eine Person, die ich sehr liebe, und  die eigentlich nichts schlimmes gemacht hat. Außer mich außen vor zu lassen. Was sicher keine Absicht war. Und vielleicht nicht einmal bemerkt. Aber es ist nicht leicht mit jemand anderem ähnliche Sachen zu machen und dann keine Neidgefühle zu entwickeln. Oder eben wütend zu sein.

Nur, wie kann so etwas in einer Freund_innenschaft angesprochen werden? Ein “Hey du, ich bin sauer” am Telefon erscheint wenig zielführend, gewünscht ist das wirkliche ernsthafte Gespräch, aber da bleibt dieser kleine nagende Zahn im Hirn, der versucht einzureden, dass das eigentlich Gefühle sind, die einfach nicht da zu sein haben. In einer engen Beziehung. Die nicht sein sollen und die mir sagen, dass das Problem bei mir liegt, vielleicht ich bin. “Du bist ja nur eifersüchtig.” Ja, vielleicht. Aber warum ist das immer Todschlagargument gegen Gefühle, gegen “wir können immer über alles reden”. Wieso darf nicht dazu gestanden werden, sondern es muss geschluckt und vermieden werden, bis die Bombe irgendwann platzt und etwas wirklich sehr dummes gemacht wird.

Kann Eifersucht und Neid nicht auch eine Form der Anerkennung sein, die sich nicht anders zu helfen weiß?

“Das, was man ist, hat und kann erscheint arm, grau, unzulänglich und langweilig. Das was man aber nicht ist, nicht hat und nicht kann, das eben ist es, worauf man sich mit jedem sehnsüchtigen Neide blickt, der zu Liebe wird, weil er sich fürchtet zu Hass zu werden.” (T. Mann – Die Buddenbrooks)