Legitime Sprache vs. „Kackscheiße

Eigentlich sollte ich einen Aufsatz für die Uni schreiben. Eigentlich müsste ich sogar in der Uni sitzen und eigentlich plagen mich seit heute Nacht Kopfschmerzen, die nicht weggehen, obgleich ich Schmerzmittel wie Smarties in mich reinwerfe und am offenen Fenster sitze. Aber gut, ob diese Kopfschmerzen nun daher rühren, dass die Maischberger Sendung, die ich gestern nur (oder zum Glück) in Auszügen sah, kann ich freilich nicht beurteilen. Aber die Vermutung liegt sehr, sehr nahe.

Über die Sendung wurde an einigen Stellen schon sehr gutes geschrieben, zum Beispiel: von Fr. Dingens  und Hanhaiwen und da ich es eh nicht ganz gesehen habe, schweige ich mich, außer einiger Twittter-Rants, aus.

WAS mich jedoch massivst stört (unter anderem) und worüber ich kurz ein paar Worte verlieren will ist Birgit Kelles Ankündigungstext zur Sendung. Zu finden hier.

Darin spricht sie davon,

1.) dass „ sich bereits im Vorfeld der Sendung massiver Protest, angezettelt vom Online-Magazin der Lobby der LSBTTI (= Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Transsexuelle und Intersexuelle).“ äußert.

Wait a second, please. Nicht alle Menschen, die nicht heterosexuell sind oder sich nicht einer Mann-Frau- Dichotomie zugehörig fühlen / unterordnen wollen, sind eine homogene Gruppe. Ganz wichtige Info! Nicht jede*r von uns, äh, ihnen will das gleiche. Eine Lobby bezeichnet zwar eine Interessengruppe, die versucht ihre Ansprüche durchzusetzen, aber irgendwie funktioniert  dieser Begriff in diesem Kontext nicht, weil.. naja… wie soll ich es erklären… LGBT*IQA haben sich nicht dafür entschieden dieser Gruppe anzugehören. 

2.) „Man bezeichnet mich und Hartmut Steeb als „Homo-Hasser“, noch bevor die erste Silbe gesprochen wurde“

Ja. äh. Ist ja nicht unbedingt so, dass es von Ihnen nichts sonst zu lesen und hören gibt, ne?

3.) “Homo-Hasser, das ist man in Deutschland ohne nähere Begründung recht schnell.”

Die Begründung muss nicht näher ausgeführt werden, da sie naheliegt. Entschuldigt bitte, dass all die Menschen als Homo-Hasser bezeichnet werden, die davon ausgehen, dass homosexuelle Menschen die armen Heteros unterlaufen wollen um alle krank und eklig und bäääh zu machen.

4.) “Homo-Hasser ist man, wenn man wie ich die Ehe nur für Mann und Frau für richtig hält.”

Richtig, weil es bei Ehe und Liebe nicht um Gender oder Sexualität geht, sondern um, na? Genau! Liebe. Und nun erklären sie mir doch bitte, ganz in Ruhe, warum: Warum soll bitte nur “Mann und Frau” eine echte und richtige Ehe sein? Wegen dieses Penis-in-Vagina-Dingens, dass wir im Bio Unterricht gelernt haben?

5.) “Homo-Hasser ist man auch, wenn man gegen ein Adoptionsrecht von Homosexuellen steht.”

Jupp, weil dies darauf schließen lässt, dass Sie davon ausgehen, dass nicht heterosexuelle zusammen keine guten Eltern sein können. „Oh, jeeee, das arme Kind.“

6.)Ich finde es befremdlich, dass in diesem Land Menschen in eine homophobe Ecke gestellt werden, die wie ich nichts anderes tun, als die aktuelle Rechtslage für gut zu befinden und damit im Übrigen nichts anderes tun, als unser Grundgesetz zu vertreten und die Meinung der Bundeskanzlerin zu teilen.”

Könnte daran liegen, dass die Rechtslage und die Meinung der Bundeskanzlerin homophob sind.

Und nun kommen wir zu meinem ultimativen Lieblingspunkt:

7.) “Oder sehen Sie sich die Tweets bei Twitter an unter dem Hashtag #maischberger, auch das sehr erhellend. Die Diskussionstauglichkeit der Queer-Lobby wird dort intellektuell auf eine starke Probe gestellt und bewegt sich auf dem Niveau von „homophobe Kackscheiße“ über die Meinung von Menschen, die die traditionelle Familie verteidigen. Argumentativ ist da noch Luft nach oben.”

Liebe Frau Kelle, homophobe Kackscheiße wird nicht weniger eine solche, wenn wir intellektuellere und euphemistische Begriffe dafür (er)finden. Abgesehen davon sprechen sie von Twitter, 140 Zeichen, minus Hashtag, welche Weite der Diskussion erwarten sie da? Und haben Sie irgendwann einmal darüber nachgedacht, dass es vielleicht auch Menschen auf der Welt gibt, die keine legitime Sprache verwenden wollen/werden/können? Aus tausend verschiedenen Gründen. Und diese sollen nun nicht mit Ihnen oder irgendjemand anderem diskutieren dürfen, weil sie nicht als intellektuell gelten? Das ist ein elitäres Gehabe bei dem mir schlecht wird, ganz ganz schlecht.

Um eine Meinung haben und vertreten zu können, gerade wenn es um etwas so persönliches (jaja wir sehen das persönliche ist politisch und so) geht, wie Liebe, Sexualität und Familie, muss mensch nicht Bourdieu oder Foucault gelesen haben und sich entsprechend dieser Art und Weise ausdrücken. Menschen die Berechtigung ihrer Argumentation abzusprechen weil sie emotional, hier oft wütend, werden und nicht mehr „sachlich objektiv“ bleiben ist vermessen und ein Totschlagargument derjenigen, die die „legitimen Codes“ unserer pseudo-intellektuellen Gesellschaft anerkennen, sich danach verhalten und dann mit hochgezogenen Augenbrauen in einem TV Sessel sitzen und „iih bääh“ rufen, wenn es um Cunnilingus geht. Janus-Gesicht ick hör dir trapsen.

P.S.: Und die Kommentare die unkommentiert unter ihrem Artikel stehen bestärken mich und vielleicht auch andere darin, dass es sich eindeutig um Homophobie handelt.

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