Dominanzgehabe

Ich habe ein Problem. Ein großes Problem. Mit Dominanzgehabe. Vor allem, wenn es von Menschen kommt, denen ohnehin immer mehr zugehört wird. Aber darüber hinaus habe ich Glück. Bzw. viel eher ein Privileg, welches mir in den letzten Jahren immer deutlicher bewusst geworden ist: ich werde sehr selten im Alltag unsichtbar gemacht. Und ich habe Jobs, die ich sehr mag und bei denen die Menschen mich, zum großen Teil, ernst nehmen. Viel ernster als es der letzte Prof. für den ich arbeitete tat, denn der kam mir eines schönen Tages auf der Treppe entgegen und wollte mit mir sprechen. Er war groß, wesentlich älter, nahm Raum ein durch Kleidung und Haltung und Stimme, und, naja eben der Chef des Instituts. Und Prof.

Aber er blieb dann auf der Treppe stehen, 3 Stufen über mir. Und gab mir durch Blick und Stimme zu verstehen, dass ich gefälligst dort bleiben sollte. 3 Stufen unter ihm. Ich hab’s nicht so mit der Anerkennung irgendwelcher deppernen Hierarchien. Versteht mich nicht falsch, ich habe Respekt vor Menschen, die Respekt verdienen, durch das, was sie machen und vor allem dadurch wie sie mit anderen Menschen umgehen. Ich habe aber ein Problem mit Dominanzgehabe von Leuten, die der Meinung sind, ich / wir müssten duckmäuserisch vor ihnen zusammenzucken nur weil… äh naja… bzw. weil sie Menschen von oben herab behandeln und eh generell ein Problem mit Frauen haben. (neeeeeeiiiin, natürlich nicht.)

Okay, dem Prof. hab ich das dann auch gezeigt und bin nicht nur 4 Stufen im Gespräch nach oben gestiegen, sondern hab kurz darauf gekündigt. (Das allein ist schon ausdruck einer extremst privilegierten Stellung, kündigen können oder Jobs nicht annehmen.) Aber von so einem Dude hab ich auch nicht mehr erwartet. Allerdings von einem Arbeitskollegen*. Die übliche Farce, Dominanzgehabe Ausgabe 2845: Er* fällt ihr* (mir) ins Wort. Aber denkt dann, dass das ja okay sein, ich wäre ja schon fertig gewesen. Falsch, habe geatmet. Und kurz nachgedacht.

Es mag vielleicht für einige Menschen überzogen sein (whatever!), aber anderen Gesprächsteilnehmenden ins Wort zu fallen, ihnen über den Mund zu fahren, sie zu unterbrechen ist nicht okay. Es ist ein Zeichen dafür, dass die eigene Meinung als wichtiger betrachtet wird. Mir passiert das auch manchmal, ich versuche es zu ändern. Das Ding letztens war nur mal wieder so, also SO stereotyp, dass mir fast die Kaffeetasse aus der Hand gefallen wäre.

Ich wurde zu einem technischen Thema befragt. Ich schaute, dachte nach wollte antworten. Mitten im Satz stockte ich und da kam es, von hinten und ungefragt (hey ja, nicht mal am Gespräch beteiligt). Er* begann zu sprechen, in diesem betont gelangweilten Ton, nicht mal aufblickend zu uns. Ich hab dann nix mehr gesagt, war ja nicht falsch, was er sagte, aber die Art wie. Ist zum kotzen und passiert ständig.

Es geht nicht um irgendeine Form der Sonderbehandlung, aber wenn ich zu einem Thema explizit gefragt werde, weil die_der Fragende weiß, dass das eins meiner Steckenpferde ist, dann würd ich ja auch gern antworten. Und wenn ich es nicht weiß, die Frage weitergeben.

Naja, ist es verwunderlich, dass selbige Person mir dann auch noch an den Kopf warf, dass Videoschnitt nur auf Retina Displays so richtig Sinn ergibt, und scheinbar nicht darüber nachdachte, dass a) nicht jede Person ein Apple Rechner/ Laptop besitzt und b) nicht unbedingt Geld im vierstelligen Euro Bereich übrig hat? (Retina Displays sind extrem teuer.)

Legitime Sprache vs. „Kackscheiße

Eigentlich sollte ich einen Aufsatz für die Uni schreiben. Eigentlich müsste ich sogar in der Uni sitzen und eigentlich plagen mich seit heute Nacht Kopfschmerzen, die nicht weggehen, obgleich ich Schmerzmittel wie Smarties in mich reinwerfe und am offenen Fenster sitze. Aber gut, ob diese Kopfschmerzen nun daher rühren, dass die Maischberger Sendung, die ich gestern nur (oder zum Glück) in Auszügen sah, kann ich freilich nicht beurteilen. Aber die Vermutung liegt sehr, sehr nahe.

Über die Sendung wurde an einigen Stellen schon sehr gutes geschrieben, zum Beispiel: von Fr. Dingens  und Hanhaiwen und da ich es eh nicht ganz gesehen habe, schweige ich mich, außer einiger Twittter-Rants, aus.

WAS mich jedoch massivst stört (unter anderem) und worüber ich kurz ein paar Worte verlieren will ist Birgit Kelles Ankündigungstext zur Sendung. Zu finden hier.

Darin spricht sie davon,

1.) dass „ sich bereits im Vorfeld der Sendung massiver Protest, angezettelt vom Online-Magazin der Lobby der LSBTTI (= Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Transsexuelle und Intersexuelle).“ äußert.

Wait a second, please. Nicht alle Menschen, die nicht heterosexuell sind oder sich nicht einer Mann-Frau- Dichotomie zugehörig fühlen / unterordnen wollen, sind eine homogene Gruppe. Ganz wichtige Info! Nicht jede*r von uns, äh, ihnen will das gleiche. Eine Lobby bezeichnet zwar eine Interessengruppe, die versucht ihre Ansprüche durchzusetzen, aber irgendwie funktioniert  dieser Begriff in diesem Kontext nicht, weil.. naja… wie soll ich es erklären… LGBT*IQA haben sich nicht dafür entschieden dieser Gruppe anzugehören. 

2.) „Man bezeichnet mich und Hartmut Steeb als „Homo-Hasser“, noch bevor die erste Silbe gesprochen wurde“

Ja. äh. Ist ja nicht unbedingt so, dass es von Ihnen nichts sonst zu lesen und hören gibt, ne?

3.) “Homo-Hasser, das ist man in Deutschland ohne nähere Begründung recht schnell.”

Die Begründung muss nicht näher ausgeführt werden, da sie naheliegt. Entschuldigt bitte, dass all die Menschen als Homo-Hasser bezeichnet werden, die davon ausgehen, dass homosexuelle Menschen die armen Heteros unterlaufen wollen um alle krank und eklig und bäääh zu machen.

4.) “Homo-Hasser ist man, wenn man wie ich die Ehe nur für Mann und Frau für richtig hält.”

Richtig, weil es bei Ehe und Liebe nicht um Gender oder Sexualität geht, sondern um, na? Genau! Liebe. Und nun erklären sie mir doch bitte, ganz in Ruhe, warum: Warum soll bitte nur “Mann und Frau” eine echte und richtige Ehe sein? Wegen dieses Penis-in-Vagina-Dingens, dass wir im Bio Unterricht gelernt haben?

5.) “Homo-Hasser ist man auch, wenn man gegen ein Adoptionsrecht von Homosexuellen steht.”

Jupp, weil dies darauf schließen lässt, dass Sie davon ausgehen, dass nicht heterosexuelle zusammen keine guten Eltern sein können. „Oh, jeeee, das arme Kind.“

6.)Ich finde es befremdlich, dass in diesem Land Menschen in eine homophobe Ecke gestellt werden, die wie ich nichts anderes tun, als die aktuelle Rechtslage für gut zu befinden und damit im Übrigen nichts anderes tun, als unser Grundgesetz zu vertreten und die Meinung der Bundeskanzlerin zu teilen.”

Könnte daran liegen, dass die Rechtslage und die Meinung der Bundeskanzlerin homophob sind.

Und nun kommen wir zu meinem ultimativen Lieblingspunkt:

7.) “Oder sehen Sie sich die Tweets bei Twitter an unter dem Hashtag #maischberger, auch das sehr erhellend. Die Diskussionstauglichkeit der Queer-Lobby wird dort intellektuell auf eine starke Probe gestellt und bewegt sich auf dem Niveau von „homophobe Kackscheiße“ über die Meinung von Menschen, die die traditionelle Familie verteidigen. Argumentativ ist da noch Luft nach oben.”

Liebe Frau Kelle, homophobe Kackscheiße wird nicht weniger eine solche, wenn wir intellektuellere und euphemistische Begriffe dafür (er)finden. Abgesehen davon sprechen sie von Twitter, 140 Zeichen, minus Hashtag, welche Weite der Diskussion erwarten sie da? Und haben Sie irgendwann einmal darüber nachgedacht, dass es vielleicht auch Menschen auf der Welt gibt, die keine legitime Sprache verwenden wollen/werden/können? Aus tausend verschiedenen Gründen. Und diese sollen nun nicht mit Ihnen oder irgendjemand anderem diskutieren dürfen, weil sie nicht als intellektuell gelten? Das ist ein elitäres Gehabe bei dem mir schlecht wird, ganz ganz schlecht.

Um eine Meinung haben und vertreten zu können, gerade wenn es um etwas so persönliches (jaja wir sehen das persönliche ist politisch und so) geht, wie Liebe, Sexualität und Familie, muss mensch nicht Bourdieu oder Foucault gelesen haben und sich entsprechend dieser Art und Weise ausdrücken. Menschen die Berechtigung ihrer Argumentation abzusprechen weil sie emotional, hier oft wütend, werden und nicht mehr „sachlich objektiv“ bleiben ist vermessen und ein Totschlagargument derjenigen, die die „legitimen Codes“ unserer pseudo-intellektuellen Gesellschaft anerkennen, sich danach verhalten und dann mit hochgezogenen Augenbrauen in einem TV Sessel sitzen und „iih bääh“ rufen, wenn es um Cunnilingus geht. Janus-Gesicht ick hör dir trapsen.

P.S.: Und die Kommentare die unkommentiert unter ihrem Artikel stehen bestärken mich und vielleicht auch andere darin, dass es sich eindeutig um Homophobie handelt.