#Aufschrei nach Bewerbungsgespräch

Sehr geehrt… (Namen tun hier nichts zur Sache, es geht um das strukturelle Problem),

 

obwohl ich im Gespräch nichts dergleichen gesagt habe, aufgrund der knapp bemessenen Zeit, möchte ich Ihnen mitteilen, dass Sie mich in der Auswahl für den Job XYZ nicht berücksichtigen müssen.

In dieser Mail möchte ich Ihnen kurz die Gründe dafür dalegen und hoffe, dass Sie darüber nachdenken und verstehen, worum es mir (und sehr vielen anderen Menschen) geht. Es handelt sich dabei nicht um eine Form imaginierter “Unangepasstheit”, sondern um klare Grenzüberschreitungen Ihrerseits, bei denen ich am liebsten sofort Ihr Haus verlassen hätte.

Sicherlich haben Sie in diesem Jahr die Aktion #Aufschrei bzw. die damit verbundene Berichterstattung, wenn nicht verfolgt, so doch immerhin wahrgenommen. Sie war ein Versuch Alltagssexismus in die Öffentlichkeit zu tragen um den oppressiven Charakter vieler, vielleicht auch “nicht so gemeinter” Handlungen bewusst zu machen.
Ich möchte nicht über jeden einzelnen Punkt sprechen, aber, dass Sie unter den Tisch schauen um meine Schuhe zu begutachten, deren Zustand auch trotz meiner lockeren Gesprächsführung nichts mit meinen Qualifikationen zu tun hat, während ich einen Rock trage, sollte Ihnen mehr als nur einen “roten Kopf” einbringen.

Trotz Ihrer Frage “Darf ich?”, der die Handlung so schnell folgte, dass ich mir dies gar nicht hätte verbitten können, ist dies eine Grenzüberschreitung, die nicht nur dreist, sondern sexistisch ist. Allein ein derartiger Gedanke verbittet sich von selbst!

Darüberhinaus ist es war zwar durchaus nett von Ihnen, mich darauf hinzuweisen, dass bei Ihnen im  XYZ  “auch mal” sexistische Witze gerissen werden, aber Ihre Ernsthaftigkeit bei diesem Thema liess zu wünschen übrig. Ebenso zeigt Ihre Angepasstheit an die Wahrnehmung der XYZ bezüglich geschlechterneutraler Sprache, die wegen der schlechteren Lesbarkeit der Texte zu vermeiden ist (eine Illusion, die mittlerweile in verschiedenen wissenschaftlichen Arbeiten überprüft und widerlegt wurde), dass Ihnen das alles reichlich übertrieben vorkommt und im Grunde gleich ist. Bitte korrigieren Sie mich, wenn ich damit sehr weit daneben schlage.

 

In einem solchen Umfeld will und werde ich nicht arbeiten, denn ich habe, wie so viele Menschen, im Alltag genügend kleine und größere Situationen auszuhalten, die mir unangenehm sind, das werde ich nicht auf meine Arbeit übertragen.

 

Vielen Dank, dass Sie mir einen Einblick gegeben haben.

 

Mit freundlichen Grüßen,

 XYZ

 

P.S.: Ich werde diese Mail, jedoch ohne Namen zu nennen oder kenntlich zu machen, um welche*n Adressat*in es sich handelt auf meinem Blog veröffentlichen, es geht dabei nicht darum Sie zu schädigen, sondern Erfahrungen mitzuteilen.

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One thought on “#Aufschrei nach Bewerbungsgespräch

  1. Danke für deinen Erfahrungsbericht bzw. deine Reaktion auf eine Erfahrung. Wenngleich ich einen Blick unter den Tisch wegen der Schuhe für völlig unangebracht halte, bin ich der Meinung, dass eine Bewertung Ihrer Kleidung durchaus in einem Bewerbungsgespräch stattfinden darf. In manchen Berufen ist die Wahl der Kleidung nämlich ein Hinweis auf Qualifikation (Stichwort Soft-Skills und Schlüsselqualifikation).

    Ich wünsche Ihnen, dass sie einen Arbeitgeber finden, der Ihre Werte teilt.

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