Generation Y – eine Generation die keine ist.

In der Zeit und in der Tageswoche.ch wurde sich neulich mit der “Generation Y”, auch genannt “Die Immer-und-alles-Generation” oder “Generation Slash”, auseinandergesetzt. Das sind zwei Artikel, in denen “meine” Generation (in der “allgemeinen Meinung” scheinbar zusammengesetzt aus den 1980 bis 1995 geborenen) wenigstens nicht als unfähig und faul und ineffizient verschrien ist, als eine, die sich nicht binden will. Im Gegenteil, sie wird bejubelt, es werden Dinge geschrieben, die im Endeffekt zusammengefasst bedeuten: wir sind eure Zukunft, weil wir uns nicht mehr den starren Formen der 9-to-5 Jobs aussetzen, weil wir sowohl Karriere als auch Familie wollen (und Zeit dafür für alle) und wir finden es toll, dass die Grenzen zwischen Job und Privatleben verschwimmen.

Es werden Beispiele angeführt, von Menschen, die in den verschiedensten Bereichen arbeiten: Musiktherapeut*in/Designer*in/Bandmitglied wäre eine weitere Option oder Filmemacher*in/Journalist*in/Historiker*in oder Comiczeichner*in/Heilpraktiker*in/… was auch immer. Es ist auch egal. Der Punkt, der mich in den beiden genannten Artikeln stört, ist der, dass es als freiwilliges Sein beschrieben wird. Es sei ein Wunsch, viele Jobs zu machen, zu arbeiten, als was man in dem Moment möchte. Es sei ein Wunsch, die Arbeitszeit verfließen zu lassen, es sei so gut für die Selbstverwirklichung.

Für viele Menschen mag das zutreffen, ich gehöre selbst dazu (wobei, und das ist vielleicht nicht ganz unwesentlich: ich mich in diesem Leben nur ohne Kind sehe und ohne Mensch, der Fürsorge braucht, sobald es diesen Menschen gibt, glaube ich nicht mehr an diese Form des Lebens), aber nicht für alle.

Warum sind gerade so viele Menschen in der weit-umfassten-Kreativbranche zugehörig zur Generation Y? Vielleicht eher, weil es keine Jobs gibt, oder nur wenige, vielleicht, weil die Kund*innen nicht mehr so viel zahlen möchten, weil Amateur*innen die Aufträge wegschnappen (weil sie weniger Geld wollen), weil jede*r denkt, das geht auch selbst und weil, ja weil es zu viele Menschen gibt, die in diesen Berufen arbeiten wollen. Am liebsten was-alternatives oder was-mit-Medien. Du kannst nicht mehr nur Editor*in im Film sein, wenn du nur coole Aufträge haben willst und nicht “Frauentausch” schneiden möchtest. Zumindest nicht, wenn du davon leben willst. Also sind viele noch was anderes, machen etwas, worin sie gut sind, etwas, das ein regelmäßiges Gehalt einfährt. Und am Abend reden wir mit unseren Freund*innen darüber, wie toll es doch ist, so frei zu sein, und wie schade für alle, die das nicht sind. Aber solange wir in einer kapitalistischen Welt leben, in der Geld DER Gradmesser für quasi alles ist, in der Leistungen und Nahrungsmittel und Wohnraum immer teurer werden, in der wir Telefone für 600 Euro haben müssen und Apple Notebooks, die nicht viel können, aber viel kosten, solange sind wir nicht frei. Solange können wir uns einreden, wie toll es doch ist, aber ehrlichgesagt haben wir eine scheiß Angst vor dem Tag, an dem das nächste Projekt nicht mehr kommt. Klar, wir wollen uns nicht unterordnen unter eine Stechuhr, aber im Grunde sind viele von uns kleine Egoist*innen im Kapitalistischen Betrieb. Nicht alles, aber viele.

Watch your Privilege!

In dem Zeit Artikel wird die Tatsache, dass es ein Privileg ist, so leben zu können und eine entsprechende Bildung zu haben, kurz angesprochen. Das ist gut! Das ist immerhin viel mehr, als die meisten Artikel und Poetry-Slamer*innen (hust) schaffen.

Um ein Leben zwischen drei hippen Jobs leben zu können, musst du privilegiert sein. Denn in dem Artikel geht es nicht um eine*n Kassierer*in, die vor oder nach der Arbeit noch Zeitungen austrägt oder um eine*n Ethnolog*in, die um ihr Leben zu finanzieren (ohne Apple) im Call-center arbeitet oder um die_den Friseurmeister*in, Klemptner*in, Krankenschwester_pfleger und so weiter, deren Einkommen nicht reicht um die Kinder durchzubringen und die deswegen noch einen weiteren, meist ebenso schlecht-bezahlten Job annehmen müssen.

Warum zur Hölle, leben wir in einer Welt, in der quasi alle Jobs, die Ausdruck von Menschlichkeit sind, alle Jobs, die wir wirklich brauchen um diese Gesellschaft am Leben zu halten (Hebammen anyone?) nicht geehrt, sondern verachtet, nicht gefeiert, sondern in 1-Jahres-Veträgen so schlecht bezahlt werden und in denen die Menschen regelmäßig zusammenbrechen, weil sie nicht mehr können.

Die Privilegiertheit geht so viel weiter, über Bildung heraus, sie ist eine Frage des Wohnortes, allein in Europa leben so viele junge Menschen, die genau dieser Generation angehören, in Armut, wie nie zuvor. Sie haben keine Jobs, wir reden von Arbeitslosigkeitsraten bei jungen Menschen von über 50 %, aber “hier” ist Unsicherheit ja hip und cool. Unsicherheit muss man sich leisten können. Mut ist kein “Anagramm von Glück” (Zitat: Julia Engelmann “One Day / Reckoning”), sondern etwas, dass man sich leisten können muss. In dieser Vorstellung, um diesem Ideal folgen zu können, musst du gesund sein, du musst dir den Mut von irgendwo ziehen können, du musst die Unsicherheit aushalten können (was nicht immer mit “Stärke” whateverthatis zusammenhängt) du musst unabhängig sein können, soll heißen es darf eigentlich niemanden geben, für die_den zu verantwortlich sein könntest. Du musst kreativ sein, auch ein Privileg. Rassismus spielt dabei auch eine große Rolle.

Aber das ist ja alles egal. Ihr (™) seid die Zukunft. Und dabei noch so nett, allen Menschen die nicht privilegiert sind, zu helfen irgendwann auch mal so leben zu können. Ihr wolltet nicht so werden wie eure Groß-/Eltern, aber im Grunde seit ihr viel schlimmer. Und arrogant bis unter die Hutnaht, weil diese Texte eigentlich allen, die nicht so leben, einen Vorwurf machen. Pfui.

“Es gibt kein richtiges Leben im falschen.”

Neid & Wut und all diese Gefühle die nicht sein sollen

Es gibt Menschen, bei denen viele andere immer wieder versucht sind, sie zu beneiden. Aus verschiedenen Gründen, wegen etwas, was sie können, dürfen, sind, machen, werden. Aber meist wegen eines Bildes, dass sich von diesen Menschen gemacht wird. Da hilft aber leider kein “Ach, sie_er kocht auch nur mit Wasser.”, sondern eigentlich die aktive Auseinandersetzung, mit den eigenen Gefühlen und den, vielleicht bestehenden, Gefühlen der anderen Person. Vor allem, wenn wir von Neid & Wut in Freund_innenschaften ausgehen.

Neid ist ein schlechtes Gefühl, dass wird uns schon früh beigebracht und Wut ist auch nicht besonders erstrebend wert, besonders nicht als Frau (es gibt dazu einen tollen Blogeintrag über wütende Frauen, den ich gerade nicht finde).

Neid ist vor allem der Ausdruck eines Wunsches und einer Unzufriedenheit. Die entsteht nicht unbedingt durch die andere Person, sondern befindet sich manchmal schon in einer_m selbst drin und wird nur beleuchtet. Ich zum Beispiel bin momentan neidisch & wütend. Eher wütend. Aber das ist uncool. Ich sollte es nicht sein, denn es geht um eine Person, die ich sehr liebe, und  die eigentlich nichts schlimmes gemacht hat. Außer mich außen vor zu lassen. Was sicher keine Absicht war. Und vielleicht nicht einmal bemerkt. Aber es ist nicht leicht mit jemand anderem ähnliche Sachen zu machen und dann keine Neidgefühle zu entwickeln. Oder eben wütend zu sein.

Nur, wie kann so etwas in einer Freund_innenschaft angesprochen werden? Ein “Hey du, ich bin sauer” am Telefon erscheint wenig zielführend, gewünscht ist das wirkliche ernsthafte Gespräch, aber da bleibt dieser kleine nagende Zahn im Hirn, der versucht einzureden, dass das eigentlich Gefühle sind, die einfach nicht da zu sein haben. In einer engen Beziehung. Die nicht sein sollen und die mir sagen, dass das Problem bei mir liegt, vielleicht ich bin. “Du bist ja nur eifersüchtig.” Ja, vielleicht. Aber warum ist das immer Todschlagargument gegen Gefühle, gegen “wir können immer über alles reden”. Wieso darf nicht dazu gestanden werden, sondern es muss geschluckt und vermieden werden, bis die Bombe irgendwann platzt und etwas wirklich sehr dummes gemacht wird.

Kann Eifersucht und Neid nicht auch eine Form der Anerkennung sein, die sich nicht anders zu helfen weiß?

“Das, was man ist, hat und kann erscheint arm, grau, unzulänglich und langweilig. Das was man aber nicht ist, nicht hat und nicht kann, das eben ist es, worauf man sich mit jedem sehnsüchtigen Neide blickt, der zu Liebe wird, weil er sich fürchtet zu Hass zu werden.” (T. Mann – Die Buddenbrooks)

Inklusive: Exklusion

Kommentar, Diskussion willkommen  und erwünscht 🙂

Etwas verwirrt mich, schon reichlich lange und bisher nachhaltig und es sorgt leider nur dafür, dass ich mich aus entsprechenden Kreisen und Räumen zurückgezogen habe.

Im Grunde genommen fühle ich mich einer Form von “Szene”, die sich als links-queer-feministisch-antirassistisch-antisexistisch ansieht (gibt es so eine Szene? Sicher nicht, aber der Einfachheit halber nutze ich hier dieses Wort, in Anführungszeichen, um deutlich zu machen, dass dies ein Konstrukt aus meinem Hirn ist, dass griffig macht, was ich meine. Oder so.)

Aber irgendwie hab ich über die Zeit hinweg immer weniger Anschluss an Menschen gefunden, die sich aktiv in dieser “Szene” verorten. Ein Beispiel.

An meiner Uni gab es mal einen Bildungsprotest, dort bin ich hingegangen, weil ich ebenfalls die Situation mies fand, vor allem für Menschen, die nicht in einer eher-sorgenfreien-privilegierten-ich-muss-mir-nicht-darum-Gedanken-machen Position waren. Das System schließt viele Menschen aus, zum Beispiel wenn sie andere Menschen pflegen müssen/sollen/wollen, wenn sie krank sind (auch psychisch), wenn sie viel arbeiten müssen, weil das System ihnen nicht hilft, oder sie vielleicht andere Menschen finanziel unterstützen müssen oder aus einer halben Million anderer Gründe – und nein, ein Teilzeitstudium ist nicht möglich. Ergo, das System ist zu bemängeln und gerne auch aktiv. Deswegen hab ich mir die Zeit genommen (watch it: wieder eine Privileg) und mitgemacht. Mitdiskutiert muss ich wohl sagen, denn in den 9 Monaten gab es zwar vereinzelte Aktionen und auch miesestes Polizei-Macht-Gehabe, aber irgendwann driftete vieles ab, in Diskussion. Und, wenn ich es als Bild beschreiben wöllte, würde ich sagen: Die Menschen standen im Kreis, klopften sich auf die privilegiert-akademische Schulter und fanden sich besser als “die anderen”. Von manchen kamen Aussagen wie “Du genderst nicht, mit dir red’ ich nicht.”, “Lies mal ein Buch.” und ähnliches. Dabei wurde missachtet, dass all das, all das lesen, all das reden, all das auseinandersetzen nur stattfinden kann, weil eine Form von Privileg da ist. Weil Zeit ist, weil die Menschen im Studium in einer entsprechenden Umgebung sind, weil sie das Problem kennen, weil sie schonmal früher von jemand anderem an die Hand genommen wurden, die_der sagte “Hey, kein Problem, komm ich erkläre dir es.”

Und wenn ich mir all die (wirklich, wirklich) tollen Blogs, Zines, Essays anschaue oder Diskussionen anhöre, dann fällt mir vor allem auf, dass der Diskurs über die meisten Themen ein sehr sehr akademischer ist, dass dazu Kommentare geschrieben werden, die nicht so leicht zu verstehen sind, dass von Konzepten gesprochen wird, die nicht jeder Mensch kennt und NEIN nicht jeder Mensch hat die Zeit oder sonstiges um diese Bücher zu lesen.

Wieso ist die Diskussion über Inklusion, über Diskriminierungsfreiheit über Gleichberechtigung so fürchterlich asymmetrisch und ausschließend? Wieso so oft so aggressiv? Wieso erklären wir nicht viel mehr, bieten mehr an, wieso schreit mich jemand in der Mensa an und sagt “DAS ist nicht meine Aufgabe, Männer* können keine Feministen sein und überhaupt solche Menschen werf ich aus meinem Leben raus.”

Wir* waren alle* mal scheiße, wir* haben alle* mal irgendwas gemacht, das andere Personen wirklich verletzt hat und sind nicht als hoch-aus-gebildete vom Himmel gefallen, wieso gestehen so wenige anderen die Awarenessbildung nicht zu? Helfen nicht dabei? Und warum nicht, in einer Sprache, die mehr Menschen verstehen können?

Oh, und ich meine nicht Vorkommnisse dieser Art, wie sie auf stoptalk beschrieben wurden, sondern Menschen die wirklich einfach nur über wenig, kein Wissen verfügen, nicht unbedingt Menschen die zum 2376. mal ihre anti-Meinung zum “Besten” geben.

Vor fast 2 Jahren, hab ich diesen Text dazu geschrieben, und irgendwie … naja ich seh’ die Fehler, Mängel und es wird deutlich, dass ich mich damals noch nicht mit Rassismus und Critical Whiteness auseinandersetzte, aber poste ihn hier dennoch.

Revolution?

Du stehst vor der Wiese und schaust dir die Kornblumen an. Entspannt. Denn es sind nur Blumen. Wildwuchs. Sie wachsen einfach. Gestärkt von der Sonne und dem Regen. Natürlich. Endlich kurze Ruhe in deinem Kopf. Geist. Deinem älterwerdenden Geist, der eigentlich so unsagbar jung ist. Aber Meinungsgebildet. Meinungen. Bildung. Viele Gedanken, die oft etwas mit dir zu tun haben, manchmal aber auch nicht. Du bist älter geworden, obwohl du dich ständig immanent noch wie 14 1/2 fühlst. Dennoch bist du umgeben von Meinungen und hast dir irgendwo zwischen Jugend und Sühne deine ersten eigenen gebildet. Ideale, Werte und Utopien von denen noch ältere Menschen behaupten, dass du sie früher oder später verlieren wirst, weil du dann älter wirst. Deswegen krallst du dich jetzt bereits daran fest, passt aber gleichzeitig beständig auf, dass du nicht dogmatisch wirst. Brichst deshalb ab und an, auch wider dein schlechtes Gewissen, deine selbst auferlegten Regeln – nämlich weil du dieses Bedürfnis verspürst, ihm nachgeben musst. Deine Welt ist genauso wie die deiner FreundInnen politisiert bis ins Kleinste. Jede Entscheidung und irgendwann jeder Schritt wird politisch überdacht, ob er auch korrekt ist. Was isst du? Welche Schuhe trägst du? Wo kaufst du welche Klamotten ein? Welcher Tabak? Welche Fortbewegungsmittel suchst du? Wie verwendest du Begriffe? Welche Aussagen haben deine Tattoos? Dein Teppich? Was machst du mit deiner Kunst? Wo wohnst du? Worüber sprichst du? Wie bewegst du dich? Trägst du Schminke? Nagellack? Warum? Warum? Warum?

Deine Welt ist überpolitisiert, immer im Versuch politisch korrekt zu sein, selbst deine Gedanken überdenkend, immerzu reflektierend über dich.

Antikapitalismus, -sexismus, -faschismus, -homophobie. Alles gut. Ja, alles gut, so gut, dass du es jederzeit an jede Wand schreiben würdest, mit jeder Farbe außer Braun. Aber ist das noch Freidenkertum? Darfst du diese Zeilen befürworten? Sie lesen? Sie schreiben? Immer nur Deleuze, Beauvoir, Miller zu lesen wird doch irgendwann anstrengend, wenn du dich damit auseinandersetzen musst, ob Harry Potter nicht Frauendiskriminierend ist und Der Herr der Ringe patriarchalische Denkmuster hervorruft. Du suchst also weibliche Helden, findest die Frauenbeauftragte toll und musst dich spätestens dann dem Vorwurf des exklusiven, ausgrenzenden Linksfaschismus aussetzen. Und selbst die Kunst die du machen willst, meist nur noch willst, weil deine Kreativität gehemmt wird, ist plötzlich nicht mehr legitim, weil nicht politisch, sondern rein emotional gesteuert.

Selbst dein gelber Regenschirm steht plötzlich zur Debatte.

Eigentlich willst du dir den Himmel greifen und herunterholen, sodass er das gesamte System verschlingt.

In den Zügen, die durch die Städte rasen und tausende satter und einige hungriger Leiber bewegen. Die satten gleichgeschaltet nach außen revolutionär, oder „alternativ“ wie es heute genannt wird – oft fälschlicherweise als Synonym verwendet. Mit Kleidung ohne Tier- und Menschenleid produziert, jedes Teil am Körper ein politisches Statement. Kleider machen Leute. Aber abgesehen davon trotzdem die Gleiche-Schaltung. Ipod oder Smartphone im Schoß, wenn nicht, dann, die wenigen der wenigen die wenigstens noch entsprechende Lektüre konsumieren, Foucault, Habermas, Deleuze und wie sie alle heißen, die alten, männlichen, radikalen, Marx doch schon irgendwie überholt. Natürlich Buch, nicht eBook. Immerhin komplett sinnliche Erlebnisse.

Welche Revolution sollte hier noch stattfinden?

In diesen Zügen, in denen geschwiegen wird aus Mündern hinter denen sich Gedanken, Argumentationslinien und Ideen auf der Suche nach einer ideellen Welt bewegen. Sie schweigen genauso laut, wie die Menschen, die durch ihr Äußeres nichts von ihrer innewohnenden Meinung preisgeben. Dieses Schweigen in Zügen unterbrochen von den einigen, die nicht schweigen können, weil sie Hunger haben oder anderes. Sie sprechen, schwerfällig, einfach weil es schwer fällt, zur grauen Masse, die, gleichgeschaltet, gleichzeitig plötzlich taub, schlafend, blind oder sich totstellend agiert. Die ehrlichsten unter ihnen verdrehen genervt die Augen. Kein Mitgefühl bei ihnen, wenn doch mal ein Groschen fällt, aber sie sind ehrlich und nicht geheuchelt peinlich berührt taubblindtot.

Welche Revolution sollte hier noch stattfinden?

Die AntikapitalistInnen mit dem Ipodfoucault auf dem Schoß auffallend schön. Lieblich geschnittene Gesichtchen brüllen in geeignetem Rahmen die Losungen der Revolution nicht nur in den Wind, auch gegen eine stumme Mauer. Die große spontane Veränderung ist eine Utopie, das wissen sie, aber ob die punktuellen Veränderungen sich halten, gehalten werden können, weiß niemand.

Es ist einfach revolutionär zu sein, wenn mensch schön und klug ist. Es ist einfach dann. Die älteren sitzen daneben, verständnisvoll der resigniert geschüttelte Kopf, sie waren auch mal so. Das verliert sich. Oder schlimmer. Wird aufgegeben, weil die Basis sich zu Tode pleniert. Oder immerhin zum Schweigen. Jedesmal wieder. Sagen sie. Die anderen wollen nicht belehrt werden und diskutieren hitzig weiter, aus ihren hübschen Mündern fallen hübsche Phrasen. Die Losungen der Revolution, die hier noch stattfinden sollte.

Diese Revolution ist ein Kampf gegen rechte Tendenzen auf allen Seiten, vor allem im Mittelmaß gegen Tendenzen, die als solche nicht mehr erkannt werden.

Die Sehnsucht nach einer gerechten besseren moralischeren ehrlicheren humanistischeren Welt zermürbt in fetten Bäuchen der Bequemlichkeit des Kapitals.

Diese Revolution könnte hier noch stattfinden. Heiner Müller wieder schreiben.

Es ist einfach revolutionär zu sein, wenn du schön und klug bist.

Dominanzgehabe

Ich habe ein Problem. Ein großes Problem. Mit Dominanzgehabe. Vor allem, wenn es von Menschen kommt, denen ohnehin immer mehr zugehört wird. Aber darüber hinaus habe ich Glück. Bzw. viel eher ein Privileg, welches mir in den letzten Jahren immer deutlicher bewusst geworden ist: ich werde sehr selten im Alltag unsichtbar gemacht. Und ich habe Jobs, die ich sehr mag und bei denen die Menschen mich, zum großen Teil, ernst nehmen. Viel ernster als es der letzte Prof. für den ich arbeitete tat, denn der kam mir eines schönen Tages auf der Treppe entgegen und wollte mit mir sprechen. Er war groß, wesentlich älter, nahm Raum ein durch Kleidung und Haltung und Stimme, und, naja eben der Chef des Instituts. Und Prof.

Aber er blieb dann auf der Treppe stehen, 3 Stufen über mir. Und gab mir durch Blick und Stimme zu verstehen, dass ich gefälligst dort bleiben sollte. 3 Stufen unter ihm. Ich hab’s nicht so mit der Anerkennung irgendwelcher deppernen Hierarchien. Versteht mich nicht falsch, ich habe Respekt vor Menschen, die Respekt verdienen, durch das, was sie machen und vor allem dadurch wie sie mit anderen Menschen umgehen. Ich habe aber ein Problem mit Dominanzgehabe von Leuten, die der Meinung sind, ich / wir müssten duckmäuserisch vor ihnen zusammenzucken nur weil… äh naja… bzw. weil sie Menschen von oben herab behandeln und eh generell ein Problem mit Frauen haben. (neeeeeeiiiin, natürlich nicht.)

Okay, dem Prof. hab ich das dann auch gezeigt und bin nicht nur 4 Stufen im Gespräch nach oben gestiegen, sondern hab kurz darauf gekündigt. (Das allein ist schon ausdruck einer extremst privilegierten Stellung, kündigen können oder Jobs nicht annehmen.) Aber von so einem Dude hab ich auch nicht mehr erwartet. Allerdings von einem Arbeitskollegen*. Die übliche Farce, Dominanzgehabe Ausgabe 2845: Er* fällt ihr* (mir) ins Wort. Aber denkt dann, dass das ja okay sein, ich wäre ja schon fertig gewesen. Falsch, habe geatmet. Und kurz nachgedacht.

Es mag vielleicht für einige Menschen überzogen sein (whatever!), aber anderen Gesprächsteilnehmenden ins Wort zu fallen, ihnen über den Mund zu fahren, sie zu unterbrechen ist nicht okay. Es ist ein Zeichen dafür, dass die eigene Meinung als wichtiger betrachtet wird. Mir passiert das auch manchmal, ich versuche es zu ändern. Das Ding letztens war nur mal wieder so, also SO stereotyp, dass mir fast die Kaffeetasse aus der Hand gefallen wäre.

Ich wurde zu einem technischen Thema befragt. Ich schaute, dachte nach wollte antworten. Mitten im Satz stockte ich und da kam es, von hinten und ungefragt (hey ja, nicht mal am Gespräch beteiligt). Er* begann zu sprechen, in diesem betont gelangweilten Ton, nicht mal aufblickend zu uns. Ich hab dann nix mehr gesagt, war ja nicht falsch, was er sagte, aber die Art wie. Ist zum kotzen und passiert ständig.

Es geht nicht um irgendeine Form der Sonderbehandlung, aber wenn ich zu einem Thema explizit gefragt werde, weil die_der Fragende weiß, dass das eins meiner Steckenpferde ist, dann würd ich ja auch gern antworten. Und wenn ich es nicht weiß, die Frage weitergeben.

Naja, ist es verwunderlich, dass selbige Person mir dann auch noch an den Kopf warf, dass Videoschnitt nur auf Retina Displays so richtig Sinn ergibt, und scheinbar nicht darüber nachdachte, dass a) nicht jede Person ein Apple Rechner/ Laptop besitzt und b) nicht unbedingt Geld im vierstelligen Euro Bereich übrig hat? (Retina Displays sind extrem teuer.)

Legitime Sprache vs. „Kackscheiße

Eigentlich sollte ich einen Aufsatz für die Uni schreiben. Eigentlich müsste ich sogar in der Uni sitzen und eigentlich plagen mich seit heute Nacht Kopfschmerzen, die nicht weggehen, obgleich ich Schmerzmittel wie Smarties in mich reinwerfe und am offenen Fenster sitze. Aber gut, ob diese Kopfschmerzen nun daher rühren, dass die Maischberger Sendung, die ich gestern nur (oder zum Glück) in Auszügen sah, kann ich freilich nicht beurteilen. Aber die Vermutung liegt sehr, sehr nahe.

Über die Sendung wurde an einigen Stellen schon sehr gutes geschrieben, zum Beispiel: von Fr. Dingens  und Hanhaiwen und da ich es eh nicht ganz gesehen habe, schweige ich mich, außer einiger Twittter-Rants, aus.

WAS mich jedoch massivst stört (unter anderem) und worüber ich kurz ein paar Worte verlieren will ist Birgit Kelles Ankündigungstext zur Sendung. Zu finden hier.

Darin spricht sie davon,

1.) dass „ sich bereits im Vorfeld der Sendung massiver Protest, angezettelt vom Online-Magazin der Lobby der LSBTTI (= Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Transsexuelle und Intersexuelle).“ äußert.

Wait a second, please. Nicht alle Menschen, die nicht heterosexuell sind oder sich nicht einer Mann-Frau- Dichotomie zugehörig fühlen / unterordnen wollen, sind eine homogene Gruppe. Ganz wichtige Info! Nicht jede*r von uns, äh, ihnen will das gleiche. Eine Lobby bezeichnet zwar eine Interessengruppe, die versucht ihre Ansprüche durchzusetzen, aber irgendwie funktioniert  dieser Begriff in diesem Kontext nicht, weil.. naja… wie soll ich es erklären… LGBT*IQA haben sich nicht dafür entschieden dieser Gruppe anzugehören. 

2.) „Man bezeichnet mich und Hartmut Steeb als „Homo-Hasser“, noch bevor die erste Silbe gesprochen wurde“

Ja. äh. Ist ja nicht unbedingt so, dass es von Ihnen nichts sonst zu lesen und hören gibt, ne?

3.) “Homo-Hasser, das ist man in Deutschland ohne nähere Begründung recht schnell.”

Die Begründung muss nicht näher ausgeführt werden, da sie naheliegt. Entschuldigt bitte, dass all die Menschen als Homo-Hasser bezeichnet werden, die davon ausgehen, dass homosexuelle Menschen die armen Heteros unterlaufen wollen um alle krank und eklig und bäääh zu machen.

4.) “Homo-Hasser ist man, wenn man wie ich die Ehe nur für Mann und Frau für richtig hält.”

Richtig, weil es bei Ehe und Liebe nicht um Gender oder Sexualität geht, sondern um, na? Genau! Liebe. Und nun erklären sie mir doch bitte, ganz in Ruhe, warum: Warum soll bitte nur “Mann und Frau” eine echte und richtige Ehe sein? Wegen dieses Penis-in-Vagina-Dingens, dass wir im Bio Unterricht gelernt haben?

5.) “Homo-Hasser ist man auch, wenn man gegen ein Adoptionsrecht von Homosexuellen steht.”

Jupp, weil dies darauf schließen lässt, dass Sie davon ausgehen, dass nicht heterosexuelle zusammen keine guten Eltern sein können. „Oh, jeeee, das arme Kind.“

6.)Ich finde es befremdlich, dass in diesem Land Menschen in eine homophobe Ecke gestellt werden, die wie ich nichts anderes tun, als die aktuelle Rechtslage für gut zu befinden und damit im Übrigen nichts anderes tun, als unser Grundgesetz zu vertreten und die Meinung der Bundeskanzlerin zu teilen.”

Könnte daran liegen, dass die Rechtslage und die Meinung der Bundeskanzlerin homophob sind.

Und nun kommen wir zu meinem ultimativen Lieblingspunkt:

7.) “Oder sehen Sie sich die Tweets bei Twitter an unter dem Hashtag #maischberger, auch das sehr erhellend. Die Diskussionstauglichkeit der Queer-Lobby wird dort intellektuell auf eine starke Probe gestellt und bewegt sich auf dem Niveau von „homophobe Kackscheiße“ über die Meinung von Menschen, die die traditionelle Familie verteidigen. Argumentativ ist da noch Luft nach oben.”

Liebe Frau Kelle, homophobe Kackscheiße wird nicht weniger eine solche, wenn wir intellektuellere und euphemistische Begriffe dafür (er)finden. Abgesehen davon sprechen sie von Twitter, 140 Zeichen, minus Hashtag, welche Weite der Diskussion erwarten sie da? Und haben Sie irgendwann einmal darüber nachgedacht, dass es vielleicht auch Menschen auf der Welt gibt, die keine legitime Sprache verwenden wollen/werden/können? Aus tausend verschiedenen Gründen. Und diese sollen nun nicht mit Ihnen oder irgendjemand anderem diskutieren dürfen, weil sie nicht als intellektuell gelten? Das ist ein elitäres Gehabe bei dem mir schlecht wird, ganz ganz schlecht.

Um eine Meinung haben und vertreten zu können, gerade wenn es um etwas so persönliches (jaja wir sehen das persönliche ist politisch und so) geht, wie Liebe, Sexualität und Familie, muss mensch nicht Bourdieu oder Foucault gelesen haben und sich entsprechend dieser Art und Weise ausdrücken. Menschen die Berechtigung ihrer Argumentation abzusprechen weil sie emotional, hier oft wütend, werden und nicht mehr „sachlich objektiv“ bleiben ist vermessen und ein Totschlagargument derjenigen, die die „legitimen Codes“ unserer pseudo-intellektuellen Gesellschaft anerkennen, sich danach verhalten und dann mit hochgezogenen Augenbrauen in einem TV Sessel sitzen und „iih bääh“ rufen, wenn es um Cunnilingus geht. Janus-Gesicht ick hör dir trapsen.

P.S.: Und die Kommentare die unkommentiert unter ihrem Artikel stehen bestärken mich und vielleicht auch andere darin, dass es sich eindeutig um Homophobie handelt.